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ICSI

Die ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion) ist eine spezielle Methode der künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation). Sie wird angewendet, wenn eine schwere Störung der Spermaqualität vorliegt (siehe Spermauntersuchung). In diesem Falle geht man davon aus, dass die Spermien nicht von selbst in eine Eizelle eindringen können. Mit der konventionellen IVF-Behandlung, bei der Eizellen und Spermien einfach gemeinsam in eine Kulturschale gegeben werden, würde somit keine Befruchtung stattfinden. Daher wird bei der ICSI-Methode direkt ein Spermium in jede Eizelle eingebracht. Die ICSI ist also lediglich ein zusätzlicher Arbeitsgang im Labor. Für Sie ist der Ablauf mit der IVF-Therapie identisch.
Vor Beginn der Therapie muss festgelegt werden, ob eine konventionelle IVF oder eine ICSI durchgeführt werden soll. Dann kann der entsprechende Antrag auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse gestellt werden. Diesen Antrag bekommen Sie von uns, nachdem Ihnen im Gespräch die Kosten- und Versicherungssituation erläutert wurde.
Für eine ICSI-Therapie sind zwei Spermiogramme im Abstand von 12 Wochen notwendig, die die Kriterien der Krankenkassen erfüllen. Es ist also möglich, dass nach dem Beratungsgespräch eine weitere Spermiogrammkontrolle erforderlich wird. Außerdem wird die Durchführung einer Chromosomenanalyse bei beiden Partnern empfohlen. Dafür kann Ihnen nach dem Beratungsgespräch in unserer Praxis Blut abgenommen werden. Die ICSI-Methode wird seit ca. 20 Jahren erfolgreich angewendet. Untersuchungen zeigen, dass die Methode selbst nicht zu einer erhöhten Fehlbildungsrate der Kinder führt.

Die neuen Richtlinien zur Künstlichen Befruchtung 2017 regeln, dass Männer vor einer ICSI-Therapie von einem Arzt mit der Zusatzbezeichnung Andrologie untersucht werden müssen. Hier finden Sie einen Andrologen in Ihrer Nähe: erweiterte Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung (bitte Zusatzbezeichnung = Andrologie anwählen).
1. Stimulation
2. Follikelpunktion
3. ICSI-Labor
4. Embryotransfer
5. Schwangerschaftstest

6. Weitere Informationen über medizinische, gesetzliche und technische Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin


1. Stimulation

Ein Teil der Frauen erhält zu Beginn des Therapiezyklus eine langwirksame Spritze zum Unterdrücken der körpereigenen Hormone (Downregulation) und beginnt 14 Tage später mit der Hormonstimulation (Agonistenprotokoll). Der andere Teil der Frauen beginnt direkt am 2. Zyklustag mit der Hormonstimulation und erhält ab dem 7. Zyklustag zusätzlich ein zweites Spritzenmedikament, das den vorzeitigen Eisprung verhindern soll (Antagonistenprotokoll). Es gibt auch noch andere Stimulationsprotokolle, die in Einzelfällen zum Einsatz kommen.
Die Medikamente zur Hormonstimulation enthalten FSH (follikelstimulierendes Hormon) oder HMG (Humanes Menopausengonadotropin), die den Eierstock zur Bildung mehrerer Eibläschen anregen. Die FSH/HMG-Spritze wird einmal täglich zur gleichen Tageszeit – meist von der Frau selbst – unter die Haut gegeben.

Am 8. Zyklustag wird die erste Ultraschallkontrolle durchgeführt, bei der die Follikel am rechten und linken Eierstock und die Gebärmutterschleimhaut gemessen werden. Wenn das an diesem Tag nicht möglich ist, kann unproblematisch auf den 7. oder 9. Zyklustag ausgewichen werden. Die Ultraschallkontrollen können in unserer Praxis oder beim Frauenarzt erfolgen, der uns anschließend die Ergebnisse mitteilt. Ab einer bestimmten Follikelgröße können Hormonwerte (Estradiol und LH) aus einer Blutprobe zusätzlich Aufschluss über das Stimulationsergebnis geben. Je nach Größe der Follikel werden dann von uns die weitere Medikamentendosierung und die nächste Ultraschallkontrolle festgelegt. Wenn Sie in unserer Praxis die Ultraschallkontrollen durchführen lassen, erhalten Sie diese Informationen telefonisch am gleichen Tag ab 14 Uhr.

Die Hormonstimulation wird fortgesetzt, bis die Eizellen bei einer Follikelgröße von ca. 20 mm reif sind. Das dauert gewöhnlich 10 bis 12 Tage, manchmal aber auch 8 oder 16 Tage. Danach wird am Abend mit einer Spritze des Hormons HCG der Eisprung ausgelöst. Noch vor dem eigentlichen Eisprung finden am übernächsten Morgen Eizellentnahme (Follikelpunktion) und Spermaabgabe in unserer Praxis statt.


2. Follikelpunktion

Die Follikelpunktion erfolgt ultraschallgesteuert über die Scheide. Dazu wird an den Ultraschallkopf eine dünne Hohlnadel angebracht, mit der durch die Scheidenhaut in die direkt dahinter gelegenen Follikel eingestochen und die gesamte Follikelflüssigkeit abgesaugt wird. Der Eingriff wird nüchtern in Kurznarkose durchgeführt und dauert 10 – 15 Minuten. Anschließend ruht die Frau in unseren Praxisräumen aus und darf trinken oder frühstücken. Eher selten werden auch noch Schmerzmedikamente verabreicht. Die Spermaabgabe erfolgt parallel zu den Follikelpunktionen. Danach können Sie gemeinsam nach Hause gehen. Die Frau darf allerdings nach einer Narkose nicht selbst Autofahren.
Ab dem Tag der Follikelpunktion sollen 3 x täglich 2 Tabletten Utrogest (Progesteron) in die Scheide eingeführt werden.

1. Punktionsnadel beim Absaugen einer Eizelle aus einem Follikel (nach hormoneller Stimulation)
2. Ultraschallkopf (Vaginalsonde)
3. Spülflüssigkeit
4. Zur Absaugpumpe


3. ICSI-Labor

Während der Punktion wird die abgesaugte Follikelflüssigkeit sofort ins Labor gebracht. Die darin befindlichen Eizellen werden herausgesucht, gezählt und im Brutschrank aufbewahrt. Parallel zur Eizellentnahme findet die Spermaabgabe statt. Zur Durchführung der ICSI-Therapie müssen die Eizellen zunächst speziell vorbereitet werden. Am frühen Nachmittag wird dann jede Eizelle mit einem einzelnen Spermium des Partners injiziert. Dafür wird die Eizelle unter das Mikroskop gelegt, mit einer Glaskapillare angesaugt und gehalten. Dann wird ein gut bewegliches Spermium in eine zweite dünne Glaskapillare aufgezogen und direkt in die Eizelle eingebracht. Insgesamt benötigt man gerade so viele Spermien, wie Eizellen gewonnen werden konnten. Die ICSI-Methode erfordert im Vergleich zur konventionellen IVF mehr Laborarbeit und Zeit.
Am nächsten Morgen wird unter dem Mikroskop kontrolliert, wie viele der Eizellen befruchtet wurden. Durchschnittlich sind es 60 – 80 %. Man erkennt das am Vorhandensein von 2 Zellkernen (Vorkernstadium), die erst später miteinander verschmelzen (Embryo). Das Befruchtungsergebnis wird Ihnen von unseren Labormitarbeitern gleich telefonisch mitgeteilt. Dabei wird auch der Termin für den Embryotransfer (ein bis zwei Tage später) festgelegt.

Die für den Embryotransfer ausgewählten befruchteten Eizellen (Vorkernstadien) werden bis zum Embryotransfer im Brutschrank weiterkultiviert. Im Laufe des Tages beginnt dann die Zellteilung. Überzählige entwicklungsfähige Vorkernstadien können nach Rücksprache mit Ihnen eingefroren werden (siehe Kryokonservierung). Wird die Kryokonservierung von Ihnen nicht gewünscht, werden diese verworfen.
Am Tag des Embryotransfers befinden sich die Embryonen im 4- bis 8-Zellstadium. Sie werden am Morgen erneut unter dem Mikroskop kontrolliert und fotografiert. Dieses Foto wird Ihnen unmittelbar vor dem Embryotransfer gezeigt.

Die befruchteten Eizellen entwickeln sich durch Zellteilung zu Embryonen weiter (Idealfall):

  • Tag Eizellpunktion + 1 = Vorkernstadium
  • Tag Eizellpunktion + 2 = Vierzellstadium
  • Tag Eizellpunktion + 3 = Achtzellstadium
  • Tag Eizellpunktion + 4 = 16-Zeller bis Beerenstadium (Morula)
  • Tag Eizellpunktion + 5 = Beerenstadium bis Bläschenstadium (Blastocyste)

4. Embryotransfer

Am Morgen des Embryotransfers soll kein Utrogest in die Scheide eingeführt werden. Zwei bis drei Tage nach der Follikelpunktion werden dann die 4- bis 8-zelligen Embryonen mit einem weichen Plastikschlauch unter Ultraschallsicht in die Gebärmutterhöhle eingesetzt. Das dauert nur wenige Minuten und Sie werden kaum etwas davon spüren. Eine gefüllte Harnblase erleichtert das Vorgehen. Anschließend können Sie sofort nach Hause und natürlich auch zur Toilette gehen. Selbstverständlich wird auch die Anwendung von Utrogest 3 x 2 Tabletten täglich vaginal wieder aufgenommen.
Wir empfehlen Ihnen, zwei Embryonen zurücksetzen zu lassen. Die statistische Schwangerschaftswahrscheinlichkeit liegt dann zwischen 30-40 %. Allerdings sinkt diese Schwangerschaftsrate ab dem 40. Lebensjahr der Frau. Von den schwanger gewordenen Frauen bekommen ca. 20 % Zwillinge. Rechtlich dürften bis zu 3 Embryonen transferiert werden. Dadurch werden die Schwangerschaftschancen jedoch nicht verbessert. Man geht aber das Risiko einer Drillingsschwangerschaft ein. Mehrlingsschwangerschaften sind stets Risikoschwangerschaften.


5. Schwangerschaftstest

In den folgenden 2 Wochen bis zum Schwangerschaftstest sollen sich die Embryonen weiterentwickeln und in der Gebärmutterschleimhaut festsetzen. In dieser Zeit führen Sie bitte weiterhin 3x täglich 2 Tabletten Utrogest ein. Zusätzlich nehmen Sie auch noch täglich 1 Tablette ASS 100 zur Verbesserung der Durchblutung ein. Einschränkungen der Lebensweise, Verzicht auf Sport oder Krankschreibung sind nicht notwendig. Allerdings empfinden viele Frauen gerade diese letzten 14 Tage als besonders belastend, da ja „nichts mehr passiert“.
Der Schwangerschaftstest erfolgt 14 Tage nach dem Embryotransfer aus einer Blutprobe bei Ihrem Frauenarzt oder in unserer Praxis. Auch wenn schon Blutungen eingesetzt haben, ist ein Schwangerschaftstest erforderlich, da Blutungen auch in der Frühschwangerschaft auftreten können.

Die Therapieanleitungen und Anleitungen zum Spritzen finden Sie hier

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Kryokonservierung